Aus dem Blog

Golo & Götz (11)

von Götz Martinek

Entdeckungsreise in die eigene Programmiersprache

"Golo & Götz ist eine gemeinsame Serie von Golo Roden und Götz Martinek. Der eine ist CTO der the native web GmbH, der andere Geschäftsführer der sodge IT GmbH. Was die beiden vereint, ist ihre große Leidenschaft für die Entwicklung von Software. Seit September 2019 nehmen sie sich monatlich ein Thema vor, zu dem dann jeder seine individuelle Perspektive beschreibt, ohne den Artikel des jeweils anderen im Vorfeld zu kennen. Der zugehörige Artikel von Golo findet sich in seinem Blog auf heise.de/developer.

Die Fragestellung zu diesem Beitrag lautete: "Entdeckungsreise in die eigene Programmiersprache"

Entdeckungsreise in die eigene Programmiersprache

Wenn man nach Jahren des Programmierens und zunehmenden Managementtätigkeiten ab und zu in Code von Kollegen schaut, ist man manchmal verwirrt. Da finden sich Konzepte und Syntaxkonstrukte, die man selbst, aus seiner Erfahrung her, eher als Fehler identifizieren würde. Aber es ist völlig funktionsfähiger Code.

Was ist da passiert?

Man selbst programmiert doch schon soooo lange. Wo und wann hat man den Anschluß verpasst? Warum? Es ist ja nicht so, dass man etwas verlernt hätte. Ganz im Gegenteil, man lernt neue Dinge dazu. Nur leider fehlt dann oft die Zeit, sich mit den ursprünglich wichtigen Themen ausreichend auseinander zu setzen.

Programmiersprachen werden ständig weiterentwickelt, wenn man tief in der Materie ist, muss man sich automatisch damit beschäftigen. Mit steigendem Abstand von der Technik wird das aber immer mehr zur expliziten Aufgabe und nicht etwas, was man in der täglichen Arbeit so oder so machen muss.

Spätestens dann sollte man aber von Zeit zu Zeit "Eine Entdeckungsreise in die eigene Programmiersprache" unternehmen. Sprich, sich mit etwas neueren Konzepten und Vorgehensweisen auseinander setzen und nicht auf dem alten Wissen sitzen bleiben. Man tendiert ja so oder so schon dazu, immer den gleichen methaphorischen Hammer zur Lösung von Problemen (Nägeln) zu nutzen, warum denn dann auch noch einen alten Hammer? Nichts gegen alte Hämmer. Aber vielleicht ist ein neuerer Hammer für ein neues Problem effizienter.

Das einfachste ist, ein offener Umgang untereinander vorausgesetzt, sich vom Kollegen erklären zu lassen, was das ist, was es macht und warum man es hier braucht. Ausgestattet mit diesen Informationen erleichtert sich dann die Internetrecherche und die eigene Weiterbildung.

Eine andere Variante, wenn auch weniger zielgerichtet auf das aktuelle Problem, ist die Durchführung von Vorträgen zu bestimmten Neuerungen der eingesetzten Programmiersprachen. Dies hilft dabei, das KnowHow im Unternehmen zu streuen, zu verfestigen und damit auch anzuwenden.

Wunderbar ist es auch, wenn man die Chance hat, bei einem CodeReview mitzumachen. Man gehört ja nicht zum alten Eisen, der Erfahrungschatz ist wichtig. Man denkt oft in anderen Zusammenhängen. Ein CodeReview ist sehr gutes Mittel, neue Dinge zu lernen, das gilt für jeden Teilnehmer.

Was gibt es sonst noch?

Hilfreich sind auch diverse Webseiten, mit denen man Codingtrainings oder Katas lösen kann. Vor allem die, bei denen der eigene Code später bewertet wird bzw. man seine Lösung mit den Lösungen von anderen vergleichen kann. Das treibt einem manchmal schon die Schämesröte ins Gesicht, aber man hat etwas gelernt, und sei es nur ein Compiler Built In, welches man vorher nicht gekannt hat.

Gerade der Vergleich des eigenen Codes bzw. das Lesen des Codes anderer Entwickler bildet sehr stark weiter. Für Entwickler jedes Stadiums ihrer Laufbahn ist dies ein sehr wertvoller Wissensschatz. Hilfreich sind hier Webseiten wie:

Die machen sogar nebenher noch Spaß :). Fressen allerdings auch einiges an FreiZeit.

Daher gilt für (ex)Entwickler im Management: "Bleibt am Ball". Die Kollegen, die mehr in der Technik sind, werden es zu schätzen wissen. Man selbst ist schließlich ein Bindeglied zwischen Entwicklern und Nutzern. Und ja, es ist schwierig, alle Aufgaben unter einen Hut zu bringen, nur sollte man seine Wurzeln nicht kappen. Außerdem erhöht das sicher wieder den Spaßfaktor.

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